Wirtschaftsreise in die USA: Ein Interview mit dc-ce Geschäftsführer Ulrich Terrahe

30.11.2015
Die Deutsch-Ameri­ka­ni­sche Handels­kam­mer hatte die 6-tägige
Wirt­schafts­reise gemein­sam mit dem Bundes­mi­nis­te­rium für
Wirt­schaft orga­ni­siert.

Herr Terrahe, wie hat Ihnen die Wirtschaftsreise in die USA gefallen?

Ulrich Terrahe: Die Reise war sehr span­nend. San Fran­cisco und das Sili­con Valley sind wirk­lich sehr beein­dru­ckend. Man spürt die enorme Wirt­schafts­kraft, die diese Region beson­ders im Bereich der IT Tech­nik besitzt. Schließ­lich sind hier die wich­tigs­ten Firmen, die man mit IT Tech­nik verbin­det, ansäs­sig.

Wie lief die Reise genau ab?

Ulrich Terrahe: Zunächst stellte man uns die Wirt­schafts­kraft der Region in einer Einfüh­rung dar. Anschlie­ßend wurde ein Sympo­sion zur Ener­gie­ef­fi­zi­enz in Rechen­zen­tren abge­hal­ten. Hier haben Vertre­ter der deut­schen Dele­ga­tion und Vertre­ter der ameri­ka­ni­schen Unter­neh­men in Vorträ­gen ihre Produkte und Ideen präsen­tiert.

Welches sind Ihre Erkenntnisse aus diesen Vorträgen und Gesprächen über den RZ-Markt in den Vereinigten Staaten?

Ulrich Terrahe: Inter­es­san­ter­weise wurde deut­lich, dass die Ameri­ka­ner eher wirt­schaft­lich und marke­ting­stra­te­gisch ange­trie­ben werden, während die Deut­schen das Engi­nee­ring, also die Inge­nieurs­kunst an sich, in den Vorder­grund rücken. Die ameri­ka­ni­schen Unter­neh­men kennen und verfü­gen über alle Lösun­gen für Probleme in Rechen­zen­trum, sie stehen den deut­schen also tech­nisch in nichts nach.
Der Unter­schied liegt viel­mehr in der Arbeits­weise: In den Verei­nig­ten Staa­ten wird häufig nach dem „keep it simple“ Prin­zip verfah­ren, um Inves­ti­ti­ons­kos­ten gering zu halten und den Betrieb möglichst einfach zu gestal­ten. In Deutsch­land sind die Anla­gen komple­xer und rege­lungs­tech­nisch aufwen­di­ger, dafür wird aber deut­lich mehr darauf geach­tet, den Betrieb so ener­gie­ef­fi­zi­ent wie möglich zu gestal­ten, um am ande­ren Ende zu sparen – das ist natür­lich eine deut­lich inge­nieurs­mä­ßige Vorge­hens­weise. Welche der beiden Denk­wei­sen sich besser rech­net, vermag ich aller­dings nicht zu sagen. Da wir in Deutsch­land aber in unse­ren Berech­nun­gen von Maxi­mal­las­ten ausge­hen, tatsäch­lich die Leis­tun­gen der Rechen­zen­tren aber selten und wenn dann nach Jahren erreicht wird, glaube ich dass der ameri­ka­ni­sche Ansatz durch­aus berech­tigt ist.

Welche Rolle spielt die Energieeffizienz in Rechenzentren überhaupt in Kalifornien?

Ulrich Terrahe: Eine große Rolle, was mich sehr posi­tiv über­rascht hat. Beson­ders die direkte Kühlung (also die Kühlung durch Außen­luft) wird bereits in vielen Rechen­zen­tren umge­setzt. Aber auch die adia­bate Kühlung und andere intel­li­gente Lösun­gen, die wir in Deutsch­land kennen und umset­zen, werden ange­wandt. Aller­dings in einer etwas simp­le­ren Form. Die Ameri­ka­ner sind in diesen Berei­chen wohl expe­ri­men­tier­freu­di­ger als wir Deut­schen und nicht so strin­gent in der Umset­zung von Verfüg­bar­keit und Sicher­heit, wie wir es kennen.

Wie beurteilen Sie nach dieser Wirtschaftsreisen die Chancen der dc-ce, in den USA Fuß zu fassen?

Ulrich Terrahe: Kurz­fris­tig werden wir vermut­lich nicht auf dem ameri­ka­ni­schen Markt aktiv werden. Es sei denn, wir gehen mit Deut­schen Part­nern gemein­sam dort­hin oder es ergibt sich eine Koope­ra­tion. Dennoch war es sehr schön zu sehen, dass ameri­ka­ni­sche Unter­neh­men Inter­esse gezeigt haben und mit guten Inge­nieur­bü­ros aus Deutsch­land zusam­men­ar­bei­ten möch­ten. So wurden bereits erste Initi­al­ge­sprä­che darüber geführt, ob eine solche Zusam­men­ar­beit zustande kommen und wie sie mögli­cher­weise ausse­hen könnte.

Ziehen Sie darüber hinaus noch weitere Erkenntnisse aus Ihrer Reise?

Ulrich Terrahe: Ich habe Kontakte zu eini­gen Planungs­bü­ros geknüpft, mit denen ein gegen­sei­ti­ger Austausch geplant ist. Dabei steht auch die Über­le­gung im Raum, einen Planer aus den USA zur future thin­king einzu­la­den. Außer­dem gab es sehr inter­es­sante Gesprä­che über die Zukunft im Bereich Kühlung von Rechen­zen­tren. Dabei ging es vor allem um den Trend direk­ter Kühlung im HPC. Hier erhoffe ich mir, dass sich ein frucht­ba­rer Austausch entwi­ckelt und wir gege­be­nen­falls einen Refe­ren­ten für die future thin­king gewin­nen.
Kurzum: Es war eine sehr span­nende Reise, auch wenn sie sich letzt­lich anders darge­stellt hat, als ursprüng­lich erwar­tet. Aber der Infor­ma­ti­ons­aus­tausch und zu erfah­ren, wie ameri­ka­ni­sche Rechen­zen­tren ticken, war sehr gewinn­brin­gend.